Mann kümmert sich um liegengelassene Leiche am Straßenrand.

Der Tod eines Menschen ist immer eine traurige Angelegenheit. Besonders tragisch ist es jedoch, wenn ein Leichnam nicht identifiziert werden kann. Dann erfahren die Angehörigen nicht vom Tod des geliebten Menschen und keiner fühlt sich für ihn zuständig. In Indien gibt es kaum Bestattungsunternehmen, da normalerweise die Familie eines Verstorbenen die Beerdigung organisiert und durchführt, deshalb kümmert sich niemand um unbekannte Tote – bisher.

Facebook/Ayub Ahmed Ji

Als eines Tages der junge Ayub Ahmed aus dem südindischen Ort Mysuru auf dem Weg in die nächstgrößere Stadt war, um sein neues Auto abzuholen, wurde er Zeuge eines traurigen Vorfalls. Ayub stieg in einen öffentlichen Bus, um in das ca. 60 km weit entfernte Gundlupete zu fahren. Während der Fahrt musste der Bus jedoch staubedingt anhalten. Schnell sah Ayub den Grund dafür: Eine Gruppe von Menschen hatte sich um die Leiche eines Mannes versammelt, die mitten auf der Straße lag.

Nachdem der Bus die Stelle passiert hatte, fuhr er seine gewohnte Strecke weiter, sodass Ayub sein Ziel erreichte. Auf dem Rückweg, nun in seinem neuen Auto sitzend, sah der junge Mann, dass der Leichnam immer noch an derselben Stelle lag wie einige Stunden zuvor. Die Menschenmenge war verschwunden, nur ein Polizist stand noch neben dem Toten. Der junge Mann hielt an und nach einem Gespräch mit dem Polizisten verstand Ayub die Situation.

Facebook/Ayub Ahmed Ji

Der Tote konnte nicht identifiziert werden, weshalb man auch keine Angehörigen informieren konnte. Keiner fühlte sich für den Verbleib des Verstorbenen zuständig. Ayub machte das sehr traurig, denn anscheinend wollte keiner der Beteiligten die Leiche in seinem Wagen transportieren. Schließlich beschloss er, den Toten selbst ins Leichenschauhaus zu bringen – und das in seinem nigelnagelneuen Auto.

Facebook/Ayub Ahmed Ji

Diese Geschichte ist nun rund 19 Jahre her – und es sollte nicht die letzte Leiche sein, die Ayub in seinem Auto transportiert. Der 38-Jährige ist mittlerweile ehrenamtlicher Mitarbeiter der örtlichen Polizei und wird jedes Mal gerufen, wenn eine unbekannte Leiche gefunden wird. Er kümmert sich um die Verstorbenen, wenn kein anderer sich für sie verantwortlich fühlt.

Für Ayub war und ist es eine Herzensangelegenheit, die Verstorbenen würdevoll zu transportieren und zu beerdigen. „Im Falle, dass die Körper nicht identifiziert werden können, führe ich den letzten Ritus als Bruder, Sohn oder anderer Verwandter durch“, berichtet Ayub.

Facebook/Ayub Ahmed Ji

Aber auch wenn ein Leichnam identifiziert werden kann, die Angehörigen aber kein Geld haben, diesen zu transportieren und zu beerdigen, hilft Ayub. Er fährt den Verstorbenen in seine Heimatstadt und hilft bei der Beerdigung. Abhängig vom Glauben der Verstorbenen, fährt Ayub sie zum jeweiligen Friedhof.

Sein Engagement wird von den Bürgern seiner Heimatstadt hoch geschätzt. Aus diesem Grund bekommt Ayub nicht selten eine kleine Aufwandsentschädigung für seine Hilfe. Außerdem wurde er im November dieses Jahres wegen seines sozialen Engagements mit dem Rajyotsava Award ausgezeichnet, der zweithöchsten Ehrung seiner Heimat, der indischen Region Karnataka. Ayub Ahmed erhielt eine Goldmedaille, eine Urkunde und einen Betrag von 100.000 Rupien (ca. 1.300 Euro) als Belohnung. Der Vater zweier Töchter freute sich über diese besondere Auszeichnung noch mehr als über das Geld.

„Meine Eltern haben sich immer gewünscht, dass ich für gute Dinge bekannt sein soll“, erzählt Ayub in einem Interview. Das hat der 38-Jährige mit seinen selbstlosen Taten auf jeden Fall erreicht. Ans Aufhören dieser Beschäftigung denkt er nicht. Er möchte weiterhin Unbekannten die letzte Ehre erweisen. Zurzeit spart die örtliche Polizei dafür, Ayub ein größeres Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, damit er die Verstorbenen besser transportieren kann. 

Facebook/Ayub Ahmed Ji

Nicht nur seine Eltern können stolz auf ihn sein! Menschen wie Ayub erinnern uns daran, dass man auch in ungewöhnlichen Notsituationen etwas Gutes tun kann. Wir sollten uns dieses Beispiel zum Vorbild nehmen und mehr auf unsere Mitmenschen achten.

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