Rentnerin tanzt an der Stange, um Osteoporose zu bekämpfen.

Ein beliebtes Sprichwort lautet: „Man ist so alt, wie man sich fühlt.“ Obwohl darin mehr als nur ein Körnchen Wahrheit steckt, spürt jeder die Folgen des Älterwerdens am eigenen Körper. Selbst mit den jugendlichsten Gefühlen kann sich ein Sechzigjähriger nicht mehr wie ein Zwanzigjähriger bewegen. Dennoch können Mittsechziger sich in einer körperlichen Verfassung befinden, die einem den Atem verschlägt.

Die heute 67-jährige Greta Pontarelli beispielsweise muss noch immer keinen Vergleich scheuen, wenn es um ihre Fitness geht. Obwohl sie im Alter von 59 Jahren an Osteoporose – Knochenschwund – erkrankte, machte sie aus der Not eine Tugend, die ihr sogar einen Weltmeistertitel einbrachte.

Um nach der Diagnose ihrem körperlichen Verfall so weit wie möglich entgegenzuwirken, empfahlen die Ärzte Greta regelmäßiges Training, das ihren Körper stärkt und den Knochenabbau verlangsamt.

Sie durchstreifte also das Netz nach passenden Sportarten und stellte fest, dass es letztlich nur zwei grundsätzliche Möglichkeiten gab, um die eigenen Knochen zu stärken: Gewichte heben oder den eigenen Körper. Durch ein Youtube-Video stieß sie das erste Mal auf Poledance und war sofort davon begeistert. Der elegante Tanz an der Stange schien weit weniger langweilig zu sein als monotones Gewichtheben. Jedoch war der Anfang keineswegs leicht:

„Es war schwierig. Ich hatte zwar früher viel Gymnastik gemacht, war jedoch seit Jahren aus der Übung. Das ist nicht wie Fahrradfahren, wo man einfach aufsteigt und weiterfährt. Zum Beispiel hat mein Lehrer nach der ersten Stunde bestimmt geglaubt, dass ich nicht wiederkomme. Ich kam nicht einmal die Stange hoch.“

Davon ließ sich die damals knapp 60-Jährige jedoch nicht abbringen. Sie ging weiter zum Training. Die kleinen Erfolge waren es letztlich, die Greta motivierten. Sie stand mit sich selbst im Wettkampf, kämpfte um jede kleine Bewegung an der Stange. Genau das empfiehlt sie jedem, der vor einer Herausforderung steht: Anfangs sollte man sich möglichst kleine Ziele setzen und diese Schritt für Schritt verfolgen.

Deshalb wurde Greta nach wenigen Jahren immer besser und erlangte sogar Weltruhm. Als 62-Jährige – drei Jahre nach ihrem Trainingsbeginn – nahm sie an ihrem ersten Wettbewerb teil und konkurrierte mit Sportlern, die um Jahrzehnte jünger waren als sie. „Es kamen immer wieder Leute zu mir, die mich wie eine Anomalie behandelten. Mir wurde klar, dass ich die einzige Teilnehmerin in meiner Altersklasse war.“

Im Laufe der folgenden fünf Jahre bereiste die willensstarke Rentnerin die Welt und nahm an vielen Wettkämpfen teil – und das sehr erfolgreich. Fünf Weltmeistertitel in der Altersklasse der über 40-Jährigen hat sie seitdem gewonnen. Ihr Ehrgeiz und ihre Zielstrebigkeit haben dazu geführt, dass Greta mittlerweile Frauen trainiert, die nur ein Drittel so alt sind wie sie selbst.

Eines der Dinge, die sie während ihres erfolgreichen Lebens gelernt hat, ist es, die eigenen Träume zu verfolgen: „Wenn man etwas findet, das man liebt, dann blüht man auf“, erklärt Greta.

Wie alt sich Greta Pontarelli wohl fühlt? Auf jeden Fall ist sie nicht nur der lebende Beweis dafür, dass man auch im hohen Alter noch Weltmeistertitel erringen kann, sondern auch, dass jeder fähig ist, sich selbst zu überraschen. Die 67-Jährige taugt als Vorbild für Jung und Alt. Also, frisch ans Werk!

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