Mit Kotztüte: Sanitäter bringt Ozean zu sterbender Frau.

Wenn für die Rettung eines Menschen medizinisch nichts mehr getan werden kann, ist die emotionale Belastungsprobe für alle Beteiligten extrem hoch. In diesen Augenblicken einfühlsam und empathisch zu bleiben, ist dabei die wahre Medizin für viele Menschen, die dem Tode nahe sind. Diese Erfahrung machte auch eine sterbende Frau während der Fahrt im Rettungswagen. Der Weg zum Krankenhaus führte sie an der australischen Küste vorbei und als sie die Seeluft riechen konnte, hatte sie nur einen letzten Wunsch, denn sie wusste, sie würde bald sterben.

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An ihrer Seite waren die Sanitäter Danielle Kellan und Graeme Cooper, die sie beide schon von früheren Fahrten her kannte. Graeme spürte, dass der Frau etwas auf der Seele lag. Bereits zuvor hatte sie berichtet, wie sie sich in der Hervey Bay unsterblich in ihren Ehemann verliebt hatte. So fragte der einfühlsame Graeme sie, ob sie noch ein letztes Mal das Meer sehen wolle. Seine Kollegin Danielle hielt diesen bewegenden Moment in einem Foto fest:

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Graeme berichtet, dass er seine Patientin am liebsten direkt bis vor den Ozean gebracht hätte. Doch die Felsen versperrten dem Krankenbett den Weg. Da er die Frau nicht zum Meer bringen konnte, brachte er das Meer zu ihr. So griff sich der Sanitäter kurzerhand eine Kotztüte, befüllte sie mit Meerwasser und Sand und brachte sie der sterbenden Frau. Nun konnte sie den geliebten Ozean nicht nur sehen und riechen, sie konnte ihn auch fühlen. Die Tränen begannen ihr über die Wangen zu rinnen. 

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„Wir leben zu schnell. Niemand nimmt sich mehr die Zeit, an einer Rose zu riechen und die Schönheit um uns herum zu genießen“, erzählt Graeme über dieses bewegende Erlebnis. Seine Kollegin ergänzt: „Manchmal sind es nicht Medikamente oder besondere Kompetenzen. Manchmal macht einfach Empathie den Unterschied aus.“ Diese Erkenntnis eint viele Sanitäter und Pflegekräfte auf der ganzen Welt. Ein besonderes Beispiel für Deutschland ist der Herzenswunsch-Krankenwagen des Malteser Hilfsdienstes. 

Im vergangenen Oktober wurde seitens der Malteser ebenfalls ein besonderer Herzenswunsch erfüllt. Pilles schwer an Krebs erkrankte Besitzerin durfte von ihrem geliebten Isländerwallach Abschied nehmen. Der Herzenswunsch-Krankenwagen fuhr die Frau, die wusste, dass sie bald sterben würde, für einen letzten Apfel, ein letztes Stupsen mit den Nüstern auf den Reiterhof. 

Ähnlich erging es einem älteren Ehepaar. Herr G. ist unheilbar im fortgeschrittenen Stadium an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. Ein Leben lang liebten er und seine Frau den Wald. Der Herzenswunsch-Krankenwagen machte ein letztes, gemeinsames Pilzesuchen möglich. 

Hier erfährst du noch mehr über die besondere Arbeit des Malteser Herzenswunsch-Krankenwagens:

Auch wenn die Medizin nichts mehr für einen Menschen tun kann, hat man doch die Möglichkeit, einem Sterbendem ein letztes Stückchen Glück zu schenken. Als die Frau aus dem australischen Hervey Bay das Meer erblickte und die Wellen rauschen hörte, hob sie den Kopf und sagte: „Ich bin mit mir im Reinen. Alles ist gut so.“

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